52 Katzen
Unser bisher größter Einsatz
Im Dezember 2024 erreichte uns ein Hilferuf aus Plau am See. Eine Frau – wir nennen sie Frau D. – hatte ihr Leben lang Katzen um sich. Als sie nicht mehr allein für sie sorgen konnte, waren über 50 Tiere auf sich gestellt. Was folgte, waren 13 Monate Einsatz – der aufwendigste in der Geschichte der Streunerhilfe Plau.
Ankommen, sortieren, nicht aufgeben
Die ersten Wochen waren überwältigend. Wir haben Tiere eingefangen, behandelt, kastriert, weitervermittelt – und immer wieder festgestellt, dass die Situation komplexer war als gedacht. Frau D. war kein schlechter Mensch. Sie liebte ihre Katzen. Aber Liebe allein reicht manchmal nicht, und das ist keine Verurteilung, sondern eine Realität, mit der wir im Tierschutz regelmäßig konfrontiert sind.
Viele der Katzen waren schwer krank – Katzenschnupfen, Giardien, Dauerdurchfall. Eine Unterbringung auf unseren eigenen Pflegestellen war deshalb nicht möglich: Wir haben keine Quarantänestation. Ohne die enge Zusammenarbeit mit dem Katzenparadies Neustrelitz und dem dortigen Tierarzt wären wir schon in den ersten Wochen an unsere Grenzen gestoßen. Dutzende Kastrationen, Behandlungen, Nachsorge – das alles läuft über Spenden. Jeder Euro zählt.
Es wurde nicht einfacher
Zwischendurch dachten wir, wir hätten es fast geschafft. Dann kamen neue Kitten. Dann neue Krankmeldungen. Dann der Winter. Wir haben in dieser Zeit gelernt, was es bedeutet, einen Einsatz langfristig zu begleiten – nicht nur einzugreifen und wieder zu verschwinden, sondern wirklich dranzubleiben.
Unsere Pflegefamilie in Waren hat in dieser Zeit Außerordentliches geleistet: zwei trächtige Katzenmamas aufgenommen, neun Kitten auf die Welt begleitet, davon sieben durchgebracht. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Wir schrieben Briefe, weil Frau D. kein Handy hatte. Wir koordinierten Transporte über mehrere Hundert Kilometer, weil die Aufnahmekapazitäten knapp waren. Wir fuhren mit kranken Tieren nachts zum Tierarzt. Und manchmal mussten wir Tiere wieder freilassen, weil schlicht kein Platz mehr da war.
Ein Kitten namens Hope
Mitten in diesem Einsatz wurde ein Wurf Kitten geboren – nicht im Garten selbst, sondern auf der Pflegestelle, wenige Tage nachdem wir die trächtige Mutter gesichert hatten. Die Mutter war bereits krank, Dauerdurchfall, und die Kitten trugen die Folgen von Geburt an. Eines der Jungtiere hatte so stark verklebte Augen, dass wir anfangs dachten, es hätte gar keine. Erst nach mehreren Tierarztbesuchen stellte sich heraus: Die Augen waren da, sie mussten nur freigelegt werden. Wir haben das Kitten Hope genannt.
Hope hat überlebt. Sie ist heute vermittelt und lebt in einem festen Zuhause. Für uns steht sie für alle Kitten aus diesem Einsatz, die es geschafft haben – und für den Grund, warum wir nicht aufgehört haben.
Tierschutz braucht mehr als guten Willen
Irgendwann war klar: Das ist kein Fall, den wir allein lösen können. Wir haben das Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt Plau am See gesucht und eine Lösung gefunden, die über den unmittelbaren Einsatz hinausgeht. Die Stadt übernahm die Kastrationskosten. Was fehlte, waren die Behandlungskosten davor. Denn kastrieren ohne vorher zu behandeln war für uns keine Option. Also haben wir weiter Spenden gesammelt und weitergemacht.
Gleichzeitig haben unsere Partnerstellen – das Katzenparadies Neustrelitz und Klein´er Gnadenhof e.V. – Tiere aufgenommen, die wir selbst nicht unterbringen konnten. Rund 14 bis 16 Katzen allein beim Gnadenhof, nochmal ähnlich viele beim Katzenparadies. So funktioniert Tierschutz: nicht als Einzelkampf, sondern als Netzwerk.
Was bleibt
Frau D. ist im Januar 2026 verstorben. Wir denken oft an sie – an jemanden, der Tiere von Herzen geliebt hat und der am Ende mehr Unterstützung gebraucht hätte, als er bekommen hat.
Die Arbeit ist noch nicht vorbei. Im Garten leben noch sechs bis sieben Katzen. Vier davon sind bereits kastriert, bei zweien steht es noch aus. Und der Garten selbst muss beräumt werden: Am 7. März 2026 haben 11 Ehrenamtliche beim ersten großen Aufräumeinsatz angepackt, einen Container gefüllt und Müll sortiert – auf eigene Kosten. Weitere Einsätze folgen.
Das ist das Ergebnis von über einem Jahr ehrenamtlicher Arbeit, Tausenden von Kilometern und unzähligen Tierarztterminen, und von Menschen, die gespendet haben, ohne die Geschichte zu kennen.
Jetzt kennt ihr sie. Und ihr könnt mithelfen, sie zu Ende zu schreiben.
Pressestimmen
Jetzt wird aufgeräumt: Streunerhilfe schafft Futterstelle – Nordkurier, 08.03.2026
Bekannte „Katzenfrau“ aus Gartensparte ist tot: Wiederholt sich das Drama? – Nordkurier, 08.01.2026
Viele streunende Katzen in Plau: Tierschützer suchen Unterstützung – Nordkurier, 04.07.2025
Kranke Katzen in der Gartensparte: Wer kümmert sich? – Nordkurier, 22.01.2025
Kranke Obdachlose mit Pflege von 30 Katzen völlig überfordert – Nordkurier, 16.12.2024
Damit wir beim nächsten Einsatz wieder helfen können.
Solche Einsätze kosten Geld. Tierarzt, Futter, Kastration, Transport – alles läuft über Spenden. Kein Gehalt, kein Büro, keine Overhead-Kosten. Was ihr gebt, kommt direkt bei den Tieren an.
Streunerhilfe Plau e. V.
Sparkasse Mecklenburg-Schwerin
IBAN: DE23 1405 2000 1711 8854 32